
Von der Recherche zum (Dreh-) Buch
Nur ein einziger Fernsehkanal, Werbung für die „Knutschkugel“ und den „Schneewittchensarg“ (beides völlig harmlose Autotypen), Murmeln als Spiel- und Sammelobjekte, Cowboy- und Indianerspiele… Vieles von dem, was der Reutlinger Autor Bernd Storz den Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen erzählte, aus seinem Buch „Wir vom Jahrgang 1951“ vorlas und in erstaunlichen, auch teilweise belustigenden Bildern zeigte, musste diesen wie Geschichten aus grauer Vorzeit erscheinen. Dabei handelte es sich um die
Fünfziger- und Sechzigerjahre, die unser Gast vor den Augen und Ohren der AchtklässlerInnen und ihrer DeutschlehrerInnen (Frau Wüntscher, Herr Duss, Herr Merz) entfaltete. Es gab nämlich auch Musik von fast historischen Schallplatten zu hören, darunter für Achtklässler reichlich Exotisches wie Freddy Quinn und die Generationen übergreifenden Klassiker „The Who“ sowie natürlich die „Beatles“ und die „Rolling Stones“.
Ebenso Altersgruppen verbindend scheint das Interesse an der Serie „Die Fallers“ zu sein, für die Storz als Drehbuch-Autor gearbeitet hat. Im zweiten Teil der Doppelstunde ging es dann auch ums Drehbuchschreiben und als Profi auf diesem Gebiet konnte Storz die Fragen aus den Klassen beantworten. So erläuterte er mit Hilfe eines Original-Drehbuchs und von an die Wand projizierten Passagen, wie es von der Idee zu einer Geschichte zum fertigen Drehbuch kommt. Viele Autoren sind demnach notwendig und einer davon ist der Dialog-Autor, der ausschließlich für die Redeanteile der Personen zuständig ist, ein anderer legt die Orte, die Handlungen und die Einstellungen fest. Begriffe wie „Totale“, „Zwischenschnitt“, „story line“ und „story board“ wurden an Beispielen verständlich und mit einer der beiden Gruppen versuchte der Autor sogar einen kleinen Dialog zu einer vorgegebenen Situation zu formulieren – übrigens eine Anforderung des Deutschunterrichts im Umgang mit szenischer Darstellung in Texten.
Besonders aufmerksam waren die Mädchen und Jungen, als der Autor ihnen erzählte, auf welche Weise er zu seinen Dialogen kommt, denn wie soll ein über Fünfzigjähriger wissen, wie Vierzehnjährige miteinander sprechen? Storz setzte sich morgens und mittags in Busse und Bahnen und hörte zu bzw. schrieb mit, wenn sich um ihn herum Schülergruppen über „Klamotten“, die Lehrer, Musik, den Freund und die Freundin unterhielten. Er bat seinen Sohn, seine Freunde einzuladen und sammelte auf diese Weise Sprachmaterial für seine Dialoge. Recherche sei nun einmal der Anfang jeder schriftstellerischen Arbeit und auch das bewegte Bild brauche zunächst das geschriebene Wort.
Die SchülerInnen dankten dem Gast mit einem kräftigen Applaus für die Einblicke in seine Arbeit und Bernd Storz wiederum versicherte, er würde jederzeit wieder nach Neuenbürg kommen, beispielsweise für einen Workshop zum Drehbuchschreiben.
Die Fachschaft Deutsch konnte sich für diese Veranstaltung zum Abschluss der Frederick-Wochen über die finanzielle Unterstützung durch das Regierungspräsidium Karlsruhe sowie die Sparkassenfiliale Neuenbürg freuen. Allen, die unsere Arbeit im Bereich Lese- und Medienerziehung unterstützen, sei herzlich gedankt.
Edith Drescher, Abteilungsleiterin Deutsch