Am 22.3.2011 in der 4. Und 5. Unterrichtstunde durften die Schüler und
Schülerinnen der 10. Klassen und des Französischkurses der Klasse 12 zusammen
mit den Französischkollegen den französischen Soziologen, Forscher am Centre
national de la recherche scientifique ,Schriftsteller und Drehbuchautor Azouz
Begag und den Chansonsänger Gilles Floret begrüßen.
Sowohl Azouz Begag als auch
Gilles Floret sind den Schülern aus ihren Lehrbüchern bekannt; dennoch waren sie
gespannt auf das, was sich in den beiden Schulstunden ereignen würde und ob sie
auch alles verstehen würden. Diese Angst nahm ihnen Azouz Begag sofort, indem er
sie auf Englisch begrüßte und die Anspannung durch das Lied <La vie en rose>
auflockerte. Mit viel Humor und ebensoviel Sensibilität erzählte er unseren
Schülern seine Lebensgeschichte. Um den Jugendlichen zu zeigen, dass Sprachen
Spaß machen und dass <das Erlernen von Fremdsprachen mehr Chancen im Leben
haben> bedeutet, tat er dies, indem er von der französischen Sprache in die englische, deutsche und italienische Sprache wechselte und das Gesagte durch vorgespielte Szenen
unterstrich.
In der Hoffnung, in Frankreich eine gutbezahlte Arbeit zu finden und seiner
Familie ein besseres Leben in Algerien bieten zu können, hatte sein Vater das
kleine Heimatdorf in Algerien zunächst für drei Monate alleine verlassen. Die
Familie folgte ihm einige Zeit später,und Azouz verbrachte seine Kindheit und
Jugend in einem Vorort von Lyon. Obwohl seine Eltern Analphabeten waren und die
französische Sprache nie erlernten, verstand es besonders sein Vater, den jungen
Azouz zum Lernen zu motivieren. Er machte seinem Sohn deutlich, dass Bücher mit
Vögeln zu vergleichen sind, da sie auf Freiheit im Sinne des Wissens hinweisen,
und weckte somit seine Neugier für das Lernen <<Avec l’aide d’un livre, tu peux
arriver loin, mon fils>>, zitierte er seinen Vater. Er forderte unsere Schüler
auf, auch offen für das Neue und das Fremde zu sein, keine Angst vor neuen
Sprachen und anderen Kulturen zu haben und die Unterschiede zu lieben. <Avec
l’éducation vous pouvez construire un meilleur monde.> (Bildung hilft euch, eine bessere Welt zu erbauen), <Construisons ce monde ensemble> (Lasst uns diese Welt gemeinsam
bauen!) und verbale Kommunikation anstatt Gewalt zu wählen (<Jeu de mains, jeu
de vilains>) war sein Appell an seine jugendlichen Zuhörer.
Nach ein paar kurzen Fragen seitens der Schüler trug der „Brückenbauer“ oder
„Grenzbewohner zwischen zwei Kulturen“ zusammen mit Gilles Floret seine
neuesten Lieder vor, die die Gewalt gegen Einwandererkinder, das Leben und die
Probleme der ausländischen Jugendlichen in Plattenbauten und Diskriminierung
thematisieren. Noch einmal machten beide Gäste den Schülern deutlich, dass auch
sie dafür verantwortlich sind, , gemeinsam eine <avenir commun, un meilleur
avenir> , eine gemeinsame Zukunft , eine bessere Zukunft aufzubauen.
Bericht: Doris Kolakowski