Presse: Fragen drehen sich um Gerechtigkeit

Pforzheimer Kurier vom 30.4.2013

 

Bundestagsabgeordnete stehen Neuenbürger Schülern Rede und Antwort

Neuenbürg. Eine Podiumsdiskussion mit allen Bundestagsabgeordneten und dem Kandidaten der Linken, Milan Kopriva, erlebten gestern die Oberstufenschüler des Gymnasiums. Spontanen Beifall bekam gleich der FDP-Abgeordnete Erik Schweickert, der seine kleine Tochter mitgebracht hatte, auf die er am Montag aufpassen musste, und der er durch die Länge des ganzen Saales hindurch immer mal wieder zuwinken musste.
Jeder der Abgeordneten hatte fünf Minuten Zeit, ein Statement abzugeben. Eine recht knappe Zeitspanne, aber da die ganze Diskussion ohnehin auf 75 Minuten begrenzt war, musste sie genügen, da schließlich Fragen der Schüler beantwortet werden sollten. Den Anfang machte unter Regie des Lehrers Heinrich Lotz der CDU-Abgeordnete Gunter Krichbaum. „Dies hier ist keine klassische Wahlveranstaltung", betonte er. Um dennoch unter anderem die CDU-Themenschwerpunkte Arbeit, Arbeitsmarkt, digitales Wachstum, Familien und Verbraucherschutz anzusprechen. Zentrale Fragen, die die Bürger bewegten, hießen: Ist mein Job sicher? Ist mein Geld sicher? Die CDU wolle Deutschland wie bisher weiterführen in eine gute wirtschaftliche Zukunft.
Katja Mast, SPD, erinnerte daran, dass viele Menschen, nämlich rund 8,5 Millionen, von ihrem Verdienst nicht leben könnten. Die eine Frage sei: „Wie schütze ich die Würde der Arbeit?" Und die andere: „Warum zahlen wir ehrlichen Bürger für Kindergärten, Straßen und dergleichen, und andere nicht?" Womit sie Steuerflüchtlinge und Steuerbetrüger meinte.
Erik Schweickert schilderte seine Aufgaben als Verbraucherschutz-Sprecher und seine Themen: Pferdefleisch, Brustimplantate oder unlautere Telefonwerbung, um nur einige zu nennen. Über Lohnuntergrenzen werde seine Partei in der kommenden Woche auf dem Parteitag in Nürnberg sprechen, informierte er.
Für die innere Sicherheit und die Kooperation in der Welt, stand Mehmet Kilic, der früher nach eigenem Bekunden Umweltfragen als „Luxusthema" empfunden hatte, wie er sich erinnerte. Heute sei ihm klar, dass „flächendeckend gehandelt werden muss." Die Energiewende und soziale Gerechtigkeit müssten geschafft werden, besonders für die späteren Generationen und für eine gerechtere Welt.
Milan Kopriva von den Linken, 35 Jahre alter Sozialarbeiter, erklärte, er sei gerade bei der Linken, weil hierzulande alte Menschen in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen müssten. Seine Partei kämpfe für soziale Sicherheit, eine armutsfeste Rente, soziale Sicherheit und kulturelle Vielfalt, die von allen genossen werden könne. Gering-und Mittelverdiener müssten entlastet, Spitzenverdiener mehr belastet werden, betonte er.
Die Schüler stellten Fragen nach Steueraufkommen und Steuergerechtigkeit, wie der Staat zu mehr Geld kommen könne, aber auch nach dem Strafrecht bei Steuersündern und nach Integrationsmaßnahmen. Eine Schülerin wollte wissen, wie die Arbeit eines Menschen noch weniger wert sein könne als 8.50 Euro. Die Fragen wurden entsprechend der Parteipositionen beantwortet, klar aber war: Jeder zweite Euro wird für Sozialabgaben verwendet - früher waren es 17 Prozent. Es ist also eine Schieflage entstanden, die so viele Bedürftige hervorbrachte. Zehn Prozent der Bevölkerung besitzen 50 Prozent des Gesamtvermögens, während die Schuldenbürde auf immer weniger Menschen lasten wird. Der Appell der Abgeordneten und des Kandidaten der Linken an die Schüler: Zur Wahl gehen. Ein Recht, für das andere Menschen gekämpft und dabei ihr Leben verloren haben. Christiane Viehweg

 

Mit knappen Statements stellten die Bundestagsabgeordneten und der kandidat der Linken bei einer Podiumsdiskussion am Neuenbürger Gymnasium ihre politischen Grundpositionen vor.

 

 

Zahlreiche Fragen, insbesondere zum Steuerrecht und der sozialen Gerechtigkeit, beschäftigten die Schülerinnen und Schüler, die von den politikern auf dem Podium Antworten hören wollten.

Fotos: Viehweg